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Ein Jaein zum Stillen #Blogparade Wochenbett

Da ich gerade das Wochenbett meines ersten Kindes hinter mir habe bin ich dem Aufruf zur # Blogparade mit dem Thema Wochenbett von motherbirthblog gerne gefolgt.

Das Wochenbett war für mich eine Blackbox, ein wages Vorstellungsgebilde mit unterschiedlichen Hoffnungen und Erwartungen. Ich stellte mir eine glückliche Familie vor, die sich rund um die Uhr um den neuen Erdenbürger kümmern wird mit viel Elan und Hingabe, aber auch mit Erschöpfung zu kämpfen hat. So in etwa war meine Vorstellung, aber wie mein Wochenbett dann tatsächlich wurde, hätte ich niemals erwartet. Aber eins nach dem anderen:

Die Geburt verlief bei mir sehr heftig aber dafür schnell und ohne Komplikationen, daher war ich danach körperlich sehr schnell wieder auf der Höhe. Vom ersten Moment an, als ich mein Baby gesehen habe, war diese tiefe, bedingungslose Liebe da. Ich dachte einfach nur „Er ist soo schön, so perfekt, ich liebe ihn über alles“, diese Emotionen hätte ich mir niemals träumen lassen. Die ersten Wochen nach der Geburt fuhren die Emotionen bei mir Achterbahn. Ich hätte wegen jeder emotionalen Aussage sofort heulen können, zum Beispiel wenn mein Mann sagte „Ich will für euch da sein“ oder „Er ist das größte Geschenk“. Mich hatte wohl der Babyblues erwischt!

Die unschöne Seite des Wochenbettes war der verdammte Kampf mit meinen Brustwarzen und dem Stillen! Die ersten zwei Wochen war ich gefühlt nur mit meinen Brustwarzen beschäftigt. Warum erzählt es einem keiner, dass stillen ziemlich schmerzhaft ist! Erst jetzt wurde mir klar, dass in der Öffentlichkeit das Stillen ziemlich romantisiert wird. Man stelle sich die glückliche Mutter vor, die an einem schönen lau warmen Abend auf dem Sofa sitzt – sie ist in ein warmes Licht gehüllt und schaut dabei liebevoll auf ihr Baby, dass sie gerade stillt. Beide sind soooo glücklich und der Moment scheint perfekt zu sein. So war jedenfalls meine Vorstellung. Ich sag euch was: es ist alles Augenwischerei! Am Anfang tut das Stillen (wahrscheinlich bei jeder Erstgebärenden) verdammt weh!!! Ohne Witz, so einen Schmerz habe ich noch nie gespürt. Wenn das Baby eure Brustwarze in den Mund nimmt und ihr verkrampft weil ihr schon wisst das es gleich weh tun wird… dann ist es soweit der stechende Schmerz durchzieht den ganzen Körper, ihr müsst die Zähne zusammen beißen um nicht aufzuschreien, DAS ist Stillen (am Anfang). Von wegen Friede Freude Eierkuchen…in den ersten zwei Wochen kreißten meine Gedanken und Gefühle nur um das Stillen. Ich habe mir ziemlich Vorwürfe gemacht, dass ich das Stillen nicht „genießen“ kann. „Warum kann ich nicht diese Schmerzen einfach aushalten, es ist doch das Beste für mein Baby“, habe ich immer gedacht. Ich habe jeden Tag geheult, weil ich mit dieser Situation nicht klar kam, ich wollte doch stillen, wollte die Erwartungen erfüllen, wollte perfekt sein? Warum erzählt es keiner vorher, dass es so schmerzhaft und problematisch ist? Und das schlimmste dabei war, ich konnte mein Baby gar nicht richtig genießen oder geschweige denn „kennenlernen“, denn ich wusste, wenn es das nächste Mal aufwacht, will es wieder essen und das bedeutet STILLEN. Ich hatte schon langsam Panik vor dem Stillen, meine Brustwarzen haben so weh getan: alles war wund, rissig und total empfindlich. Wie ihr euch vorstellen könnt, war dieser ganze Stress ebenfalls nicht förderlich für die Milchproduktion. Ich befand mich plötzlich in einer Spirale von Schuldgefühlen und inneren Stillzwang und war total unglücklich und sogar manchmal „sauer“ auf das Baby warum es denn nicht richtig trinken mag. Dazu muss ich sagen, dass er häufig an der Brust eingeschlafen ist und viel genuckelt hat, dadurch konnte sich eine Mahlzeit in die Ewigkeit ziehen, was nicht sehr förderlich für die Brustwarzen war.

Als ich an diesen Punkt angelangt bin, in dem das Stillen und das Baby mit negativen Gefühlen wahrnimmt, musste sich endlich was ändern! Meine Rettung war die Säuglingsnahrung. Ich geb es ganz offen zu, ich hab irgendwann zugefüttert! Am Anfang hatte ich sogar ein ziemlich schlechtes Gewissen und ein Gefühl des Versagens dabei, aber genau deswegen möchte ich es hier ansprechen. Man hat als Frau/ Mutter ein Idealbild im Kopf und will irgendwelchen Standards entsprechen. Doch man muss den Weg finden der für einen Selbst der Richtige ist. Für alles gibt es eine Lösung, man muss sich nur zu helfen wissen. Ich hatte sogar ein schlechtes Gewissen meiner Hebamme über das Zufüttern zu erzählen, ich fühlte mich gleich in einer Verteidigungsposition, denn man muss sich (gefühlt) immer erklären warum man nicht vollstillt.

So habe ich die Zwiemilch Ernährung eingeführt. Zwiemilch beschreibt die Fütterungsform des Stillens UND der Fläschengabe (ob nur 1x am Tag oder mehrfach).

Ich hab es jedenfalls so gemacht: Ich hatte vom Krankenhaus eine Pumpe verschrieben bekommen und diese habe ich dann 1-2 Tage benutzt, um meine Brustwarzen zu entlasten, aber die Milchproduktion immer noch beizubehalten. Es ist erstaunlich wie schnell die Brustwarzen sich erholen können, endlich konnten die Risse heilen. Während dessen habe ich Pre Nahrung an unser Baby gefüttert. Nach diesen 2 Tagen habe ich den Kleinen wieder gestillt, aber immer nur ca. 15min pro Brust und ihm danach die Flasche angeboten, falls er noch nicht genug getrunken hat. Ich muss sagen das hat super geklappt! Ich fühlte mich endlich gut und war mir sicher der Kleine bekommt genug zu essen und ich hatte nicht mehr den Psychodruck bis zur Unendlichkeit stillen und die Schmerzen aushalten zu müssen. Erst nach dieser Umstellung konnte ich mich endlich dem Kleinen widmen und ihn genauer Kennenlernen.

Und wisst ihr was? Ich stille nach 6 Wochen wieder (so gut wie) voll 😉 Durch das entspannte Verhältnis zum Stillen wurde die Milchproduktion wohl wieder angekurbelt und ich habe so gut wie keine Schmerzen mehr dabei.

Daher ist mein Plädoyer: Stresst euch wegen dem Stillen nicht so! Auch Flaschen- oder Zwiemilchkinder werden groß und gesund und DAS sollte doch das wichtigste für uns Mütter sein 🙂

 

 

4 Kommentare zu „Ein Jaein zum Stillen #Blogparade Wochenbett

  1. Danke für deinen tollen Text!
    Auch das Thema Stillen gehört unweigerlich zum Wochenbett! Ganz zentral sogar und so viele Mütter haben Schwierigkeiten beim Stillstart. Du warst damit nicht alleine, auch wenn es dir damals so vorgekommen sein mag.
    Deshalb ist es so wichtig, dass offen über das Thema geschrieben/gesprochen wird! Vielen lieben Dank, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt!
    Liebe Grüße
    Mother Birth

    Gefällt 1 Person

  2. Hast du dann auch die abgepumpte Milch gefüttert? So habe ich es beim ersten Kind gemacht, um die Brustwarzen zu entlasten. Und jetzt beim zweiten bin ich auch wieder sehr dankbar für die Milchpumpe. Ich find das gar nicht schlimm mit dem Zufüttern. Man muss sich nur zu helfen wissen.
    Aber hast du keine Hebamme? Es gibt soo viele Mittel, die bei Wunden Brustwarzen helfen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja genau, die abgepumpte Milch habe ich dann verfüttert bzw. in der Zeit als er das Fläschchen bekommen hat, habe ich abgepumpt damit die angeforderte Menge ungefähr stimmte. Dazu muss ich aber sagen, dass es ihm scheinbar nicht ausgereicht hat und nachdem er an einem Tag 6h durchgeschrien hat und nicht zugenommen hat, haben wir uns entschlossen Pre Nahrung zuzufüttern.
      Ich hab eine Hebamme, aber sie ist nicht wirklich hilfreich…sagt irgendwie nichts dazu oder hat auch keinen Vorschlag gemacht. Das Zufüttern hab ich auch ohne sie entschieden..

      Gefällt mir

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